Ex-Kanzler will Russland nicht dämonisieren! Echt jetzt?
- Klemens Kappe

- 27. Jan.
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 7 Tagen

Altkanzler Gerhard Schröder schreibt in einem Gastbeitrag für die Berliner Zeitung, er sei „gegen die Dämonisierung Russlands als ewiger Feind“. Russland sei „nicht das Land der Barbaren“, sondern ein Land mit großer Kultur und vielfältigen historischen Verbindungen zu Deutschland. Und als besonders naheliegende Verbindung fällt ihm auch gleich die preiswerte Energie ein.
Echt jetzt? Dass Russland eine große Kultur hat, bestreitet niemand. Aber reden wir von Kultur oder Politik? Von Menschen, Literatur und Musik – oder einem Staat, der einen Angriffskrieg führt, Städte zerstört, Zivilist*innen trifft und Kinder aus besetzten Gebieten verschleppt? Wer das nicht trennen kann, macht es sich zu leicht. „Dämonisieren“ klingt nach moralischer Übertreibung – und verschiebt den Fokus weg von den realen Taten. Man kann ein Land und seine Kultur respektieren und zugleich den russischen Staat für Gewalt und Kriegsführung klar benennen. Das ist keine Dämonisierung, sondern Urteilskraft. Gerade Schröder müsste wissen, wie Worte wirken. Er hat Putin politisch hofiert und einen lupenreinen Demokraten genannt. Wenn er jetzt davor warnt, in Russland einen Dämon zu sehen, klingt das nicht nach Differenzierung, sondern nach: "Wird schon nicht so schlimm sein, man muss doch im Gespräch bleiben.“ Und außerdem: Energie.
So geht’s! Während wir uns im Getöse anderer Aufreger verlieren, gerät der Krieg in Europa aus dem Blick. Wegschauen wird zur bequemen Haltung. Ja, Russland hat Kultur. Deutschland auch. Aber Kulturen werden nicht dadurch groß, indem man ihre dunklen Kapitel ignoriert – sondern Verantwortung übernimmt. Russland isoliert sich durch Gewalt. Und Deutschland verliert an Haltung, wenn es die Gewalt kleinredet oder ihr aus Bequemlichkeit ausweicht. In diesem Jahr werden fünf Landtage neu gewählt. Eine gute Gelegenheit, genau hinzusehen: Wer relativiert russische Kriegsverbrechen? Wer schwächt Solidarität mit der Ukraine? Wer verkauft Frieden als Vorwand für Nachgiebigkeit? Diese/r jemand verdient keine Stimme. Nicht, weil wir dämonisieren wollen. Sondern weil wir nicht abstumpfen dürfen.
Das Bildmotiv soll zum Ausdruck bringen, dass Russlands Kultur eigentlich für das Schöne steht, das Künstlerische - dieser Zauber jedoch in einem Dämon gefangen ist. Die Farben im Gesicht bilden die russische Flagge ab, das schwarze Kostüm die dunklen Kapitel des Landes und die Hörner den Dämon. Bild: Unsplash.



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